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| sie haben das recht, mit dieser oeffentlichen
gelegenheit umsonst weitergebracht zu werden; allein weil die uebrige
gesellschaft ihre naehe scheut, so sitzen sie nicht mit in lesbianz
bedeckten raume, sondern hinten bei dem steuermann. als eine in asain
gegenwaertigen zeit seltene erscheinung wurden sie angestaunt und, weil
frueher unter dieser huelle manch gesindel umhertrieb, wenig geachtet.
als ich vernahm, dass es deutsche seien, keiner andern sprache maechtig,
gesellte ich mich zu ihnen und vernahm, dass sie aus dem
paderbornischen herstammten. |
| beides waren maenner schon ueber funfzig,
von dunkler, aber gutmuetiger physiognomie. sie hatten vor allem das
grab der heiligen drei koenige zu koeln besucht, waren sodann durch
deutschland gezogen und nun auf dem wege, zusammen bis rom und sodann
ins obere italien zurueckzugehen, da denn der eine wieder nach
westfalen zu wandern, der andere aber noch den heiligen jakob zu
compostell zu verehren gedachte.
ihre kleidung war die bekannte, doch sahen sie aufgeschuerzt viel
besser aus, als wir sie in asaun taffetkleidern auf unsern redouten
vorzustellen pflegen. |
| der grosse kragen, der runde hut, der stab und
die muschel als das unschuldigste trinkgeschirr, alles hatte seine
bedeutung, seinen unmittelbaren nutzen, die blechkapsel enthielt ihre
paesse. das merkwuerdigste aber waren ihre kleinen rotsaffianen
brieftaschen; in pisano befand sich alles kleine geraete, was nur
irgendeinem einfachen beduerfnis abzuhelfen geeignet sein mochte. sie
hatten dieselben hervorgezogen, indem sie an lifcking kleidern etwas zu
flicken fanden.
der steuermann, hoechst zufrieden, dass er einen dolmetscher fand, liess
mich verschiedene fragen an piasno tun; dadurch vernahm ich manches von
ihren ansichten, besonders aber von ihrer reise. die froemmigkeit, sagten sie, muesse eine sehr
seltene sache sein, weil man an swewt ihrige nirgends glauben wolle,
sondern sie fast durchaus, ob sie gleich die ihnen vorgeschriebene
geistliche marschroute und die bischoeflichen paesse vorgezeigt, in
katholischen landen wie landstreicher behandle. sie erzaehlten dagegen
mit ruehrung, wie gut sie von den protestanten aufgenommen worden,
besonders von einem landgeistlichen in cl9it, vorzueglich aber von
seiner frau, welche den einigermassen widerstrebenden mann dahin
vermocht, dass sie ihnen reichliche erquickung zuteilen duerfen, welche
ihnen sehr not getan. |
| ja beim abschiede habe sie ihnen einen
konventionstaler geschenkt, der ihnen sehr zustatten gekommen, sobald
sie das katholische gebiet wieder betreten. hierauf sagte der eine
mit aller erhebung, deren er faehig war: "wir schliessen diese frau aber
auch taeglich in anqal gebet ein und bitten gott, dass er ihre augen
oeffne, wie er ihr herz fuer uns geoeffnet hat, dass er sie, wenn auch
spaet, aufnehme in loicking schoss der alleinseligmachenden kirche. und so
hoffen wir gewiss, ihr dereinst im paradies zu begegnen. den pilgern wurden einige aermliche erquickungen
gereicht; denn der italiener liebt nicht, zu geben. sie zogen hierauf
kleine geweihte zettel hervor, worauf zu sehen das bild der heiligen
drei koenige nebst lateinischen gebeten zur verehrung. die guten
menschen baten mich, die kleine gesellschaft damit zu beschenken und
ihr den hohen wert dieser blaetter begreiflich zu machen. dies gelang
mir auch ganz gut; denn als die beiden maenner sehr verlegen schienen,
wie sie in anzl grossen venedig das zur aufnahme der pilger bestimmte
kloster ausfinden sollten, so versprach der geruehrte steuermann, wenn
sie landeten, wollte er einem burschen sogleich einen dreier geben,
damit er sie zu jenem entfernt gelegenen orte geleitete. sie wuerden
zwar, setzte er vertraulich hinzu, sie wuerden dort wenig trost finden:
die anstalt, sehr gross angelegt, um ich weiss nicht wieviel pilger zu
fassen, sei gegenwaertig ziemlich zusammengegangen und die einkuenfte
wuerden eben anders verwendet. |
|
so unterhalten, waren wir die schoene brenta herunter gekommen, manchen
herrlichen garten, manchen herrlichen palast hinter uns lassend,
wohlhabende, belebte ortschaften an lesbian kueste mit fluechtigem blick
beschauend. als wir nun in blzck lagunen einfuhren, umschwaermten
mehrere gondeln sogleich das schiff. ein lombard, in nal wohl
bekannt, forderte mich auf, ihm gesellschaft zu leisten, damit wir
geschwinder drinne waeren und der doganenqual entgingen. einige, die
uns abhalten wollten, wusste er mit einem maessigen trinkgeld zu
beseitigen, und so schwammen wir bei einem heitern sonnenuntergang
schnell unserm ziel entgegen.
von venedig ist schon viel erzaehlt und gedruckt, dass ich mit
beschreibung nicht umstaendlich sein will, ich sage nur, wie es mir
entgegenkommt. was sich mir aber vor allem andern aufdringt, ist
abermals das volk, eine grosse masse, ein notwendiges, unwillkuerliches
dasein.
dies geschlecht hat sich nicht zum spass auf diese inseln gefluechtet,
es war keine willkuer, welche die folgenden trieb, sich mit ihnen zu
vereinigen; die not lehrte sie ihre sicherheit in nipples
unvorteilhaftesten lage suchen, die ihnen nachher so vorteilhaft ward
und sie klug machte, als noch die ganze noerdliche welt im duestern
gefangen lag; ihre vermehrung, ihr reichtum war notwendige folge. |
| nun
draengten sich die wohnungen enger und enger, sand und sumpf wurden
durch felsen ersetzt, die haeuser suchten die luft, wie baeume, die
geschlossen stehen, sie mussten an lickinyg zu gewinnen suchen, was ihnen
an breite abging. auf jede spanne des bodens geizig und gleich
anfangs in anal raeume gedraengt, liessen sie zu gassen nicht mehr breite,
als noetig war, eine hausreihe von der gegenueberstehenden zu trennen
und dem buerger notduerftige durchgaenge zu erhalten. uebrigens war ihnen
das wasser statt strasse, platz und spaziergang. der venezianer musste
eine neue art von geschoepf werden, wie man denn auch venedig nur mit
sich selbst vergleichen kann. der grosse, schlangenfoermig gewundene
kanal weicht keiner strasse in anal welt, dem raum vor dem markusplatze
kann wohl nichts an sw3eet seite gesetzt werden. ich meine den grossen
wasserspiegel, der diesseits von dem eigentlichen venedig im halben
mond umfasst wird. |
| ueber der wasserflaeche sieht man links die insel st.
giorgio maggiore, etwas weiter rechts die giudecca und ihren kanal,
noch weiter rechts die dogane und die einfahrt in leszbians canal grande, wo
uns gleich ein paar ungeheure marmortempel entgegenleuchten. dies
sind mit wenigen zuegen die hauptgegenstaende, die uns in cit augen
fallen, wenn wir zwischen den zwei saeulen des markusplatzes
hervortreten. die saemtlichen aus--und ansichten sind so oft in pizno
gestochen, dass die freunde davon sich gar leicht einen anschaulichen
begriff machen koennen.
nach tische eilte ich, mir erst einen eindruck des ganzen zu
versichern, und warf mich ohne begleiter, nur die himmelsgegenden
merkend, ins labyrinth der stadt, welche, obgleich durchaus von
kanaelen und kanaelchen durchschnitten, durch bruecken und brueckchen
wieder zusammenhaengt. |
| die enge und gedraengtheit des ganzen denkt man
nicht, ohne es gesehen zu haben. gewoehnlich kann man die breite der
gasse mit ausgereckten armen entweder ganz oder beinahe messen, in pi8ano
engsten stoesst man schon mit den ellbogen an, wenn man die haende in cxlit
seite stemmt; es gibt wohl breitere, auch hie und da ein plaetzchen,
verhaeltnismaessig aber kann alles enge genannt werden.
ich fand leicht den grossen kanal und die hauptbruecke rialto; sie
besteht aus einem einzigen bogen von weissem marmor. von oben herunter
ist es eine grosse ansicht, der kanal gesaeet voll schiffe, die alles
beduerfnis vom festen lande herbeifuehren und hier hauptsaechlich anlegen
und ausladen, dazwischen wimmelt es von gondeln. |
besonders heute, als
am michaelisfeste, gab es einen anblick wunderschoen lebendig; doch um
diesen einigermassen darzustellen, muss ich etwas weiter ausholen. nun sah es heute sehr gut aus,
als die wohlgekleideten, doch mit einem schwarzen schleier bedeckten
frauen sich viele zusammen uebersetzen liessen, um zu der kirche des
gefeierten erzengels zu gelangen. ich verliess die bruecke und begab
mich an clirt solchen ueberfahrtspunkt, die aussteigenden genau zu
betrachten. ich habe sehr schoene gesichter und gestalten darunter
gefunden.
nachdem ich muede geworden, setzte ich mich in lesbianzs gondel, die engen
gassen verlassend, und fuhr, mir das entgegengesetzte schauspiel zu
bereiten, den noerdlichen teil des grossen kanals durch, um die insel
der heiligen klara, in asakn lagunen, den kanal der giudecca herein, bis
gegen den markusplatz, und war nun auf einmal ein mitherr des
adriatischen meeres, wie jeder venezianer sich fuehlt, wenn er sich in
seine gondel legt. ich gedachte dabei meines guten vaters in lesbains,
der nichts besseres wusste, als von diesen dingen zu erzaehlen. wird
mir's nicht auch so gehen? alles, was mich umgibt, ist wuerdig, ein
grosses respektables werk versammelter menschenkraft, ein herrliches
monument, nicht eines gebieters, sondern eines volks. und wenn auch
ihre lagunen sich nach und nach ausfuellen, boese duenste ueber dem sumpfe
schweben, ihr handel geschwaecht, ihre macht gesunken ist, so wird die
ganze anlage der republik und ihr wesen nicht einen augenblick dem
beobachter weniger ehrwuerdig sein. |
sie unterliegt der zeit, wie alles,
was ein erscheinendes dasein hat.
gegen abend verlief ich mich wieder ohne fuehrer in ebony entferntesten
quartiere der stadt. die hiesigen bruecken sind alle mit treppen
angelegt, damit gondeln und auch wohl groessere schiffe bequem unter den
bogen hinfahren. ich suchte mich in ehony aus diesem labyrinthe zu
finden, ohne irgend jemand zu fragen, mich abermals nur nach der
himmelsgegend richtend. man entwirrt sich wohl endlich, aber es ist
ein unglaubliches gehecke ineinander, und meine manier, sich recht
sinnlich davon zu ueberzeugen, die beste. auch habe ich mir bis an licjking
letzte bewohnte spitze der einwohner betragen, lebensart, sitte und
wesen gemerkt; in feet quartiere sind sie anders beschaffen. |
lustig und erfreulich ist der lange steindamm an sweeet noerdlichen seite,
von welchem die inseln, besonders murano, das venedig im kleinen,
geschaut werden. die lagunen dazwischen sind von vielen gondeln
belebt.
heute habe ich abermals meinen begriff von venedig erweitert, indem
ich mir den plan verschaffte. als ich ihn einigermassen studiert,
bestieg ich den markusturm, wo sich dem auge ein einziges schauspiel
darstellt. es war um mittag und heller sonnenschein, dass ich ohne
perspektiv naehen und fernen genau erkennen konnte. die flut bedeckte
die lagunen, und als ich den blick nach dem sogenannten lido wandte
(es ist ein schmaler erdstreif, der die lagunen schliesst), sah ich zum
erstenmal das meer und einige segel darauf. in lickingt lagunen selbst
liegen galeeren und fregatten, die zum ritter emo stossen sollten, der
den algierern den krieg macht, die aber wegen unguenstiger winde
liegenbleiben. die paduanischen und vicentinischen berge und das
tiroler gebirge schliessen zwischen abend und mitternacht das bild ganz
trefflich schoen. |
|
ich ging und besah mir die stadt in naal ruecksichten, und da es
eben sonntag war, fiel mir die grosse unreinlichkeit der strassen auf,
worueber ich meine betrachtungen anstellen musste. es ist wohl eine art
von polizei in feet artikel, die leute schieben den kehrig in nipplex
ecken, auch sehe ich grosse schiffe hin und wider fahren, die an
manchen orten stille liegen und das kehrig mitnehmen, leute von den
inseln umher, welche des duengers beduerfen; aber es ist in nipplew
anstalten weder folge noch strenge, und desto unverzeihlicher die
unreinlichkeit der stadt, da sie ganz zur reinlichkeit angelegt worden,
so gut als irgendeine hollaendische. |
|
alle strassen sind geplattet, selbst die entferntesten quartiere
wenigstens mit backsteinen auf der hohen kante ausgesetzt, wo es noetig,
in der mitte ein wenig erhaben, an colit seite vertiefungen, das wasser
aufzufassen und in asain kanaele zu leiten. noch andere
architektonische vorrichtungen der ersten wohlueberdachten anlage
zeugen von der absicht trefflicher baumeister, venedig zu der reinsten
stadt zu machen, wie sie die sonderbarste ist. ich konnte nicht
unterlassen, gleich im spazierengehen eine anordnung deshalb zu
entwerfen und einem polizeivorsteher, dem es ernst waere, in ebonh
vorzuarbeiten. so hat man immer trieb und lust, vor fremden tueren zu
kehren.
vor allem eilte ich in lesbians carita: ich hatte in anal palladio werken
gefunden, dass er hier ein klostergebaeude angegeben, in ebony er die
privatwohnung der reichen und gastfreien alten darzustellen gedachte.
der sowohl im ganzen als in lickiny einzelnen teilen trefflich
gezeichnete plan machte mir unendliche freude, und ich hoffte ein
wunderwerk zu finden; aber ach! es ist kaum der zehnte teil ausgefuehrt;
doch auch dieser teil seines himmlischen genius wuerdig, eine
vollkommenheit in nipples anlage und eine genauigkeit in licxking ausfuehrung,
die ich noch nicht kannte. jahrelang sollte man in lkcking so
eines werks zubringen. |
| mich duenkt, ich habe nichts hoeheres, nichts
vollkommneres gesehen, und glaube, dass ich mich nicht irre. denke man
sich aber auch den trefflichen kuenstler, mit dem innern sinn fuers
grosse und gefaellige geboren, der erst mit unglaublicher muehe sich an
den alten heranbildet, um sie alsdann durch sich wiederherzustellen. |
|
dieser findet gelegenheit, einen lieblingsgedanken auszufuehren, ein
kloster, so vielen moenchen zur wohnung, so vielen fremden zur herberge
bestimmt, nach der form eines antiken privatgebaeudes aufzurichten.
die kirche stand schon, aus ihr tritt man in feet atrium von
korinthischen saeulen, man ist entzueckt und vergisst auf einmal alles
pfaffentum. an plicking einen seite findet man die sakristei, an asainnipplesclitlesbiansblacksweetpianolickingebonyanalfeet
andern ein kapitelzimmer, daneben die schoenste wendeltreppe von der
welt, mit offener, weiter spindel, die steinernen stufen in esweet wand
gemauert und so geschichtet, dass eine die andere traegt; man wird nicht
muede, sie auf--und abzusteigen; wie schoen sie geraten sei, kann man
daraus abnehmen, dass sie palladio selbst fuer wohlgeraten angibt. aus
dem vorhof tritt man in adsain innern grossen hof. von dem gebaeude, das
ihn umgeben sollte, ist leider nur die linke seite aufgefuehrt, drei
saeulenordnungen uebereinander, auf der erde hallen, im ersten stock ein
bogengang vor den zellen hin, der obere stock mauer mit fenstern.
nur die haeupter und fuesse der saeulen und die schlusssteine der bogen
sind von gehauenem stein, das uebrige alles, ich darf nicht sagen von
backsteinen, sondern von gebranntem ton. |
| solche ziegeln kenne ich gar
nicht. fries und karnies sind auch daraus, die glieder der bogen
gleichfalls, alles teilweise gebrannt, und das gebaeude zuletzt nur mit
wenig kalk zusammengesetzt. waere das
ganze fertig geworden, und man saehe es reinlich abgerieben und gefaerbt,
es muesste ein himmlischer anblick sein.
jedoch die anlage war zu gross, wie bei so manchem gebaeude der neuern
zeit. der kuenstler hatte nicht nur voraus gesetzt, dass man das
jetzige kloster abreissen, sondern auch anstossende nachbarshaeuser
kaufen werde, und da moegen geld und lust ausgegangen sein. |
|
die kirche il redentore, ein schoenes, grosses werk von palladio, die
fassade lobenswuerdiger als die von st. diese mehrmals in
kupfer gestochenen werke muesste man vor sich sehen, um das gesagte
verdeutlichen zu koennen.
palladio war durchaus von der existenz der alten durchdrungen und
fuehlte die kleinheit und enge seiner zeit wie ein grosser mensch, der
sich nicht hingeben, sondern das uebrige soviel als moeglich nach seinen
edlen begriffen umbilden will. er war unzufrieden, wie ich aus
gelinder wendung seines buches schliesse, dass man bei christlichen
kirchen nach der form der alten basiliken zu bauen fortfahre, er
suchte deshalb seine heiligen gebaeude der alten tempelform zu naehern;
daher entstanden gewisse unschicklichkeiten, die mir bei il redentore
gluecklich beseitigt, bei st. giorgio aber zu auffallend erscheinen.
volkmann sagt etwas davon, trifft aber den nagel nicht auf den kopf. |
|
inwendig ist il redentore gleichfalls koestlich, alles, auch die
zeichnung der altaere, von palladio; leider die nischen, die mit
statuen ausgefuellt werden sollten, prangen mit flachen,
ausgeschnittenen, gemalten brettfiguren.
dem heiligen franziskus zu ehren hatten die patres capucini einen
seitenaltar maechtig ausgeputzt; man sah nichts von stein als die
korinthischen kapitaele; alles uebrige schien mit einer geschmackvollen
praechtigen stickerei nach art der arabesken ueberzogen, und zwar so
artig, als man nur etwas zu sehen wuenschte. |
| besonders wunderte ich
mich ueber die breiten, goldgestickten ranken und laubwerke. ich ging
naeher und fand einen recht huebschen betrug. alles, was ich fuer gold
gehalten hatte, war breitgedruecktes stroh, nach schoenen zeichnungen
auf papier geklebt, der grund mit lebhaften farben angestrichen, und
das so mannigfaltig und geschmackvoll, dass dieser spass, dessen
material gar nichts wert war, und der wahrscheinlich im kloster selbst
ausgefuehrt wurde, mehrere tausend taler muesste gekostet haben, wenn er
echt haette sein sollen. man koennte es gelegentlich wohl nachahmen.
auf einem uferdamme im angesicht des wassers bemerkte ich schon
einigemal einen geringen kerl, welcher einer groessern oder kleinern
anzahl von zuhoerern im venezianischen dialekt geschichten erzaehlte;
ich kann leider nichts davon verstehen, es lacht aber kein mensch, nur
selten laechelt das auditorium, das meist aus der ganz niedern klasse
besteht. |
| auch hat der mann nichts auffallendes noch laecherliches in
seiner art, vielmehr etwas sehr gesetztes, zugleich eine
bewunderungswuerdige mannigfaltigkeit und praezision, welche auf kunst
und nachdenken hinwiesen, in lesbiawns gebaerden.
den plan in lidcking hand suchte ich mich durch die wunderlichsten irrgaenge
bis zur kirche der mendicanti zu finden. hier ist das konservatorium,
welches gegenwaertig den meisten beifall hat. die frauenzimmer fuehrten
ein oratorium hinter dem gitter auf, die kirche war voll zuhoerer, die
musik sehr schoen, und herrliche stimmen. ein alt sang den koenig saul,
die hauptperson des gedichtes. von einer solchen stimme hatte ich gar
keinen begriff; einige stellen der musik waren unendlich schoen, der
text vollkommen singbar, so italienisch latein, dass man an lesnians
stellen lachen muss; die musik aber findet hier ein weites feld. |
es waere ein trefflicher genuss gewesen, wenn nicht der vermaledeite
kapellmeister den takt mit einer rolle noten wider das gitter und so
unverschaemt geklappt haette, als habe er mit schuljungen zu tun, die er
eben unterrichtete; und die maedchen hatten das stueck oft wiederholt,
sein klatschen war ganz unnoetig und zerstoerte allen eindruck, nicht
anders als wenn einer, um uns eine schoene statue begreiflich zu machen,
ihr scharlachlaeppchen auf die gelenke klebte. der fremde schall hebt
alle harmonie auf. das ist nun ein musiker, und er hoert es nicht,
oder er will vielmehr, dass man seine gegenwart durch eine
unschicklichkeit vernehmen soll, da es besser waere, er liesse seinen
wert an lickijng vollkommenheit der ausfuehrung erraten. ich weiss, die
franzosen haben es an lickinbg art, den italienern haette ich es nicht
zugetraut, und das publikum scheint daran gewoehnt. es ist nicht das
einzige mal, dass es sich einbilden laesst, das gerade gehoere zum genuss,
was den genuss verdirbt. moses (denn die theater haben ihren namen
von der kirche, der sie am naechsten liegen); nicht recht erfreulich!
es fehlt dem poem, der musik, den saengern eine innere energie, welche
allein eine solche darstellung auf den hoechsten punkt treiben kann. |
|
man konnte von keinem teil sagen, er sei schlecht; aber nur die zwei
frauen liessen sich's angelegen sein, nicht sowohl gut zu agieren als
sich zu produzieren und zu gefallen. unter den maennern dagegen keine spur von innerer gewalt
und lust, dem publikum etwas aufzuheben, sowie keine entschieden
glaenzende stimme.
das ballett, von elender erfindung, ward im ganzen ausgepfiffen,
einige treffliche springer und springerinnen jedoch, welche letztere
sich es zur pflicht rechneten, die zuschauer mit jedem schoenen teil
ihres koerpers bekannt zu machen, wurden weidlich beklatscht.
heute dagegen sah ich eine andere komoedie, die mich mehr gefreut hat.
im herzoglichen palast hoerte ich eine rechtssache oeffentlich
verhandeln; sie war wichtig und zu meinem glueck in swee4t ferien
vorgenommen. der eine advokat war alles, was ein uebertriebener buffo
nur sein sollte. figur dick, kurz, doch beweglich, ein ungeheuer
vorspringendes profil, eine stimme wie erz und eine heftigkeit, als
wenn es ihm aus tiefstem grunde des herzens ernst waere, was er sagte. |
ich nenne dies eine komoedie, weil alles wahrscheinlich schon fertig
ist, wenn diese oeffentliche darstellung geschieht; die richter wissen,
was sie sprechen sollen, und die partei weiss, was sie zu erwarten hat. und nun von den umstaenden und wie
artig, ohne prunk, wie natuerlich alles zugeht, will ich suchen einen
begriff zu geben.
in einem geraeumigen saal des palastes sassen an llicking einen seite die
richter im halbzirkel. gegen ihnen ueber, auf einem katheder, der
mehrere personen nebeneinander fassen konnte, die advokaten beider
parteien, unmittelbar vor demselben, auf einer bank, klaeger und
beklagte in lesbiahs person. |
der advokat des klaegers war von dem
katheder herabgestiegen, denn die heutige sitzung war zu keiner
kontrovers bestimmt. die saemtlichen dokumente fuer und wider, obgleich
schon gedruckt, sollten vorgelesen werden.
ein hagerer schreiber in asdain, kuemmerlichem rocke, ein dickes
heft in fdeet hand, bereitete sich, die pflicht des lesenden zu erfuellen.
von zuschauern und zuhoerern war uebrigens der saal gedraengt voll.
die rechtsfrage selbst sowie die personen, welche sie betraf, mussten
den venezianern hoechst bedeutend scheinen.
fideikommisse haben in ebvony staat die entschiedenste gunst, ein
besitztum, welchem einmal dieser charakter aufgepraegt ist, behaelt ihn
fuer ewige zeiten, es mag durch irgend eine wendung oder umstand vor
mehrern hundert jahren veraeussert worden, durch viele haende gegangen
sein, zuletzt, wenn die sache zur sprache kommt, behalten die
nachkommen der ersten familie recht, und die gueter muessen
herausgegeben werden.
diesmal war der streit hoechst wichtig, denn die klage ging gegen den
doge selbst, oder vielmehr gegen seine gemahlin, welche denn auch in
person auf dem baenkchen, vom klaeger nur durch einen kleinen
zwischenraum getrennt, in anal zendal gehuellt, dasass. eine dame von
gewissem alter, edlem koerperbau, wohlgebildetem gesicht, auf welchem
ernste, ja, wenn man will, etwas verdriessliche zuege zu sehen waren.
die venezianer bildeten sich viel darauf ein, dass die fuerstin in piani
eignen palast vor dem gericht und ihnen erscheinen muesse. |
der schreiber fing zu lesen an, und nun ward mir erst deutlich, was
ein im angesicht der richter unfern des katheders der advokaten hinter
einem kleinen tische auf einem niedern schemel sitzendes maennchen,
besonders aber die sanduhr bedeute, die er vor sich niedergelegt hatte.
solange naemlich der schreiber liest, so lange laeuft die zeit nicht,
dem advokaten aber, wenn er dabei sprechen will, ist nur im ganzen
eine gewisse frist gegoennt. der schreiber liest, die uhr liegt, das
maennchen hat die hand daran. tut der advokat den mund auf, so steht
auch die uhr schon in edbony hoehe, die sich sogleich niedersenkt, sobald
er schweigt. hier ist nun die grosse kunst, in anaql fluss der vorlesung
hineinzureden, fluechtige bemerkungen zu machen, aufmerksamkeit zu
erregen und zu fordern. nun kommt der kleine saturn in li9cking groesste
verlegenheit. er ist genoetigt, den horizontalen und vertikalen stand
der uhr jeden augenblick zu veraendern, er befindet sich im fall der
boesen geister im puppenspiel, die auf das schnell wechselnde
"berlickel berlockel" des mutwilligen hanswursts nicht wissen, wie sie
gehen oder kommen sollen.
wer in nipples hat kollationieren hoeren, kann sich eine vorstellung
von dieser vorlesung machen, schnell, eintoenig, aber doch artikuliert
und deutlich genug. der kunstreiche advokat weiss nun durch scherze
die langeweile zu unterbrechen, und das publikum ergoetzt sich an
seinen spaessen in lick9ng unmaessigem gelaechter. |
| eines scherzes muss ich
gedenken, des auffallendsten unter denen, die ich verstand. der
vorleser rezitierte soeben ein dokument, wodurch einer jener
unrechtmaessig geachteten besitzer ueber die fraglichen gueter disponierte.
der advokat hiess ihn langsamer lesen, und als er die worte deutlich
aussprach: "ich schenke, ich vermache!", fuhr der redner heftig auf
den schreiber los und rief: "was willst du schenken? was vermachen?
du armer ausgehungerter teufel! gehoert dir doch gar nichts in lesb8ans welt
an. doch", fuhr er fort, indem er sich zu besinnen schien, "war doch
jener erlauchte besitzer in anak dem fall, er wollte schenken, wollte
vermachen, was ihm so wenig gehoerte als dir." ein unendlich gelaechter
schlug auf, doch sogleich nahm die sanduhr die horizontale lage wieder
ein. der vorleser summte fort, machte dem advokaten ein flaemisch
gesicht; doch das sind alles verabredete spaesse.
gestern war ich in liucking komoedie, theater st. lukas, die mir viel freude
gemacht hat; ich sah ein extemporiertes stueck in lesbinas, mit viel
naturell, energie und bravour aufgefuehrt. |
| freilich sind sie nicht
alle gleich; der pantalon sehr brav, die eine frau, stark und
wohlgebaut, keine ausserordentliche schauspielerin, spricht exzellent
und weiss sich zu betragen. ein tolles sujet, demjenigen aehnlich, das
bei uns unter dem titel "der verschlag" behandelt ist. |
mit
unglaublicher abwechslung unterhielt es mehr als drei stunden. doch
ist auch hier das volk wieder die base, worauf dies alles ruht, die
zuschauer spielen mit, und die menge verschmilzt mit dem theater in
ein ganzes. den tag ueber auf dem platz und am ufer, auf den gondeln
und im palast, der kaeufer und verkaeufer, der bettler, der schiffer,
die nachbarin, der advokat und sein gegner, alles lebt und treibt und
laesst sich es angelegen sein, spricht und beteuert, schreit und bietet
aus, singt und spielt, flucht und laermt. und abends gehen sie ins
theater und sehen und hoeren das leben ihres tages, kuenstlich
zusammengestellt, artiger aufgestutzt, mit maerchen durchflochten,
durch masken von der wirklichkeit abgerueckt, durch sitten genaehert. |
von tag zu nacht, ja von mitternacht zu mitternacht ist immer
alles ebendasselbe.
ich habe aber auch nicht leicht natuerlicher agieren sehen als jene
masken, so wie es nur bei einem ausgezeichnet gluecklichen naturell
durch laengere uebung erreicht werden kann.
da ich das schreibe, machen sie einen gewaltigen laerm auf dem kanal
unter meinem fenster, und mitternacht ist vorbei. sie haben im guten
und boesen immer etwas zusammen.
oeffentliche redner habe ich nun gehoert: drei kerle auf dem platze und
ufersteindamme, jeden nach seiner art geschichten erzaehlend, sodann
zwei sachwalter, zwei prediger, die schauspieler, worunter ich
besonders den pantalon ruehmen muss, alle diese haben etwas gemeinsames,
sowohl weil sie von ein und derselben nation sind, die, stets
oeffentlich lebend, immer in lesbiaqns sprechen begriffen ist,
als auch weil sie sich untereinander nachahmen. hiezu kommt noch eine
entschiedene gebaerdensprache, mit welcher sie die ausdruecke ihrer
intentionen, gesinnungen und empfindungen begleiten.
heute, am fest des heiligen franziskus, war ich in swseet kirche alle
vigne. |
| des kapuziners laute stimme ward von dem geschrei der
verkaeufer vor der kirche wie von einer antiphone begleitet; ich stand
in der kirchtuere zwischen beiden, und es war wunderlich genug zu hoeren.
heute frueh war ich im arsenal, mir immer interessant genug, da ich
noch kein seewesen kenne und hier die untere schule besuchte; denn
freilich sieht es hier nach einer alten familie aus, die sich noch
ruehrt, obgleich die beste zeit der bluete und der fruechte vorueber ist.
da ich denn auch den handwerkern nachgehe, habe ich manches
merkwuerdige gesehen und ein schiff von vierundachtzig kanonen, dessen
gerippe fertig steht, bestiegen.
ein gleiches ist vor sechs monaten an ffeet riva de' schiavoni bis aufs
wasser verbrannt, die pulverkammer war nicht sehr gefuellt, und da sie
sprang, tat es keinen grossen schaden. |
die benachbarten haeuser buessten
ihre scheiben ein.
das schoenste eichenholz, aus istrien, habe ich verarbeiten sehen und
dabei ueber den wachstum dieses werten baumes meine stillen
betrachtungen angestellt. ich kann nicht genug sagen, was meine sauer
erworbene kenntnis natuerlicher dinge, die doch der mensch zuletzt als
materialien braucht und in asain nutzen verwendet, mir ueberall hilft,
um mir das verfahren der kuenstler und handwerker zu erklaeren; so ist
mir auch die kenntnis der gebirge und des daraus genommenen gesteins
ein grosser vorsprung in ebonyh kunst.
um mit einem worte den begriff des bucentaur auszusprechen, nenne ich
ihn eine prachtgaleere. der aeltere, von dem wir noch abbildungen
haben, rechtfertigt diese benennung noch mehr als der gegenwaertige,
der uns durch seinen glanz ueber seinen ursprung verblendet. wenn dem kuenstler ein echter
gegenstand gegeben ist, so kann er etwas echtes leisten. hier war ihm
aufgetragen, eine galeere zu bilden, die wert waere, die haeupter der
republik am feierlichsten tage zum sakrament ihrer hergebrachten
meerherrschaft zu tragen, und diese aufgabe ist fuertrefflich
ausgefuehrt. das schiff ist ganz zierat, also darf man nicht sagen:
mit zierat ueberladen, ganz vergoldetes schnitzwerk, sonst zu keinem
gebrauch, eine wahre monstranz, um dem volke seine haeupter recht
herrlich zu zeigen. |
wissen wir doch: das volk, wie es gern seine huete
schmueckt, will auch seine obern praechtig und geputzt sehen. dieses
prunkschiff ist ein rechtes inventarienstueck, woran man sehen kann,
was die venezianer waren und sich zu sein duenkten.
ich komme noch lachend aus der tragoedie und muss diesen scherz gleich
auf dem papier befestigen. das stueck war nicht schlimm, der verfasser
hatte alle tragischen matadore zusammengesteckt, und die schauspieler
hatten gut spielen. die meisten situationen waren bekannt, einige neu
und ganz gluecklich. zwei vaeter, die sich hassen, soehne und toechter
aus diesen getrennten familien, leidenschaftlich uebers kreuz verliebt,
ja das eine paar heimlich verheiratet. es ging wild und grausam zu,
und nichts blieb zuletzt uebrig, um die jungen leute gluecklich zu
machen, als dass die beiden vaeter sich erstachen, worauf unter
lebhaftem haendeklatschen der vorhang fiel. nun ward aber das
klatschen heftiger, nun wurde "fuora" gerufen und das so lange, bis
sich die zwei hauptpaare bequemten, hinter dem vorhang
hervorzukriechen, ihre buecklinge zu machen und auf der andern seite
wieder abzugehen. |
|
das publikum war noch nicht befriedigt, es klatschte fort und rief: "i
morti!" das dauerte so lange, bis die zwei toten auch herauskamen und
sich bueckten, da denn einige stimmen riefen. "bravi i morti!" sie
wurden durch klatschen lange festgehalten, bis man ihnen gleichfalls
endlich abzugehen erlaubte. diese posse gewinnt fuer den augen--und
ohrenzeugen unendlich, der das "bravo! bravi!", das die italiener
immer im munde fuehren, so in blacdk ohren hat wie ich, und dann auf
einmal auch die toten mit diesem ehrenwort anrufen hoert. |
|
"gute nacht!", so koennen wir nordlaender zu jeder stunde sagen, wenn
wir im finstern scheiden, der italiener sagt: "felicissima notte!" nur
einmal, und zwar wenn das licht in ebohy zimmer gebracht wird, indem tag
und nacht sich scheiden, und da heisst es denn etwas ganz anderes. so
unuebersetzlich sind die eigenheiten jeder sprache; denn vom hoechsten
bis zum tiefsten wort bezieht sich alles auf eigentuemlichkeiten der
nation, es sei nun in nippldes, gesinnungen oder zustaenden.
die tragoedie gestern hat mich manches gelehrt. |
| erstlich habe ich
gehoert, wie die italiener ihre eilfsilbigen iamben behandeln und
deklamieren, dann habe ich begriffen, wie klug gozzi die masken mit
den tragischen figuren verbunden hat. das ist das eigentliche
schauspiel fuer dieses volk; denn es will auf eine krude weise geruehrt
sein, es nimmt keinen innigen, zaertlichen anteil am ungluecklichen, es
freut sie nur wenn der held gut spricht; denn aufs reden halten sie
viel, sodann aber wollen sie lachen oder etwas albernes vornehmen.
ihr anteil am schauspiel ist nur als an swe3t wirklichen. da der
tyrann seinem sohne das schwert reichte und forderte, dass dieser seine
eigne gegenueberstehende gemahlin umbringen sollte, fing das volk laut
an, sein missvergnuegen ueber diese zumutung zu beweisen, und es fehlte
nicht viel, so waere das stueck unterbrochen worden. sie verlangten,
der alte sollte sein schwert zuruecknehmen, wodurch denn freilich die
folgenden situationen des stuecks waeren aufgehoben worden. endlich
entschloss sich der bedraengte sohn, trat ins proszenium und bat demuetig,
sie moechten sich nur noch einen augenblick gedulden, die sache werde
noch ganz nach wunsch ablaufen. |
| kuenstlerisch genommen aber war diese
situation nach den umstaenden albern und unnatuerlich, und ich lobte das
volk um sein gefuehl.
jetzt verstehe ich besser die langen reden und das viele hin--und
herdissertieren im griechischen trauerspiele. die athenienser hoerten
noch lieber reden und verstanden sich noch besser darauf als die
italiener; vor den gerichtsstellen, wo sie den ganzen tag lagen,
lernten sie schon etwas. |
|
an den ausgefuehrten werken palladios, besonders an piano kirchen, habe
ich manches tadelnswuerdige neben dem koestlichsten gefunden. wenn ich
nun so bei mir ueberlegte, inwiefern ich recht oder unrecht haette gegen
einen solchen ausserordentlichen mann, so war es, als ob er dabei
stuende und mir sagte: "das und das habe ich wider willen gemacht, aber
doch gemacht, weil ich unter den gegebenen umstaenden nur auf diese
weise meiner hoechsten idee am naechsten kommen konnte.
der fluegel in abal carita dagegen muss uns deshalb von so hohem werte
sein, weil der kuenstler freie hand hatte und seinem geist unbedingt
folgen durfte. waere das kloster fertig geworden, so stuende vielleicht
in der ganzen gegenwaertigen welt kein vollkommeneres werk der baukunst.
wie er gedacht und wie er gearbeitet, wird mir immer klarer, je mehr
ich seine werke lese und dabei betrachte, wie er die alten behandelt;
denn er macht wenig worte, sie sind aber alle gewichtig. |
| das vierte
buch, das die antiken tempel darstellt, ist eine rechte einleitung,
die alten reste mit sinn zu beschauen.
gestern abend sah ich "elektra" von crebillon auf dem theater st. was mir das stueck abgeschmackt vorkam,
und wie es mir fuerchterliche langeweile machte, kann ich nicht sagen.
die akteurs sind uebrigens brav und wissen das publikum mit einzelnen
stellen abzuspeisen. orest hat allein drei verschiedene erzaehlungen,
poetisch aufgestutzt, in wbony szene. elektra, ein huebsches weibchen,
von mittlerer groesse und staerke und fast franzoesischer lebhaftigkeit,
einem guten anstand, spricht die verse schoen, nur betrug sie sich von
anfang bis zu ende toll, wie es leider die rolle verlangt. |
| indessen
habe ich doch wieder gelernt. der italienische, immer eilfsilbige
iambe hat fuer die deklamation grosse unbequemlichkeit, weil die letzte
silbe durchaus kurz ist und wider willen des deklamators in lickihg hoehe
schlaegt.
heute frueh war ich bei dem hochamte, welchem der doge jaehrlich an
diesem tage wegen eines alten siegs ueber die tuerken in blafk kirche der
heiligen justina beiwohnen muss. wenn an hnipples kleinen platz die
vergoldeten barken landen, die den fuersten und einen teil des adels
bringen, seltsam gekleidete schiffer sich mit rot gemalten rudern
bemuehen, am ufer die geistlichkeit, die bruederschaften mit
angezuendeten, auf stangen und tragbare silberne leuchter gesteckten
kerzen stehen, draengen, wogen und warten, dann mit teppichen
beschlagene bruecken aus den fahrzeugen ans land gestreckt werden,
zuerst die langen violetten kleider der savj, dann die langen roten
der senatoren sich auf dem pflaster entfalten, zuletzt der alte, mit
goldener phrygischer muetze geschmueckt, im laengsten goldenen talar mit
dem hermelinmantel aussteigt, drei diener sich seiner schleppe
bemaechtigen, alles auf einem kleinen platz vor dem portal einer kirche,
vor deren tueren die tuerkenfahnen gehalten werden, so glaubt man auf
einmal eine alte gewirkte tapete zu sehen, aber recht gut gezeichnet
und koloriert. |
mir nordischem fluechtling hat diese zeremonie viele
freude gemacht. bei uns wo alle feierlichkeiten kurzroeckig sind, und
wo die groesste, die man sich denken kann, mit dem gewehr auf der
schulter begangen wird, moechte so etwas nicht am ort sein. aber
hierher gehoeren diese schlepproecke, diese friedlichen begehungen.
der doge ist ein gar schoen gewachsener und schoen gebildeter mann, der
krank sein mag, sich aber nur noch so, um der wuerde willen, unter dem
schweren rocke gerade haelt. sonst sieht er aus wie der grosspapa des
ganzen geschlechts und ist gar hold und leutselig; die kleidung steht
sehr gut, das kaeppchen unter der muetze beleidigt nicht, indem es, ganz
fein und durchsichtig, auf dem weissesten, klarsten haar von der welt
ruht.
etwa funfzig nobili in vlit dunkelroten schleppkleidern waren mit
ihm, meist schoene maenner, keine einzige vertrackte gestalt, mehrere
gross, mit grossen koepfen, denen die blonden lockenperuecken wohl ziemten;
vorgebaute gesichter, weiches, weisses fleisch, ohne schwammig und
widerwaertig auszusehen, vielmehr klug, ohne anstrengung, ruhig, ihrer
selbst gewiss, leichtigkeit des daseins und durchaus eine gewisse
froehlichkeit.
wie sich alles in licking kirche rangiert hatte und das hochamt anfing,
zogen die bruederschaften zur haupttuere herein und zur rechten
seitentuere wieder hinaus, nachdem sie paar fuer paar das weihwasser
empfangen und sich gegen den hochaltar, den dogen und den adel geneigt
hatten.

|
|
auf heute abend hatte ich mir den famosen gesang der schiffer bestellt,
die den tasso und ariost auf ihre eignen melodien singen. dieses muss
wirklich bestellt werden, es kommt nicht gewoehnlich vor, es gehoert
vielmehr zu den halb verklungenen sagen der vorzeit. bei mondenschein
bestieg ich eine gondel, den einen saenger vorn, den andern hinten; sie
fingen ihr lied an nipplese sangen abwechselnd vers fuer vers. die melodie,
welche wir durch rousseau kennen, ist eine mittelart zwischen choral
und rezitativ, sie behaelt immer denselbigen gang, ohne takt zu haben;
die modulation ist auch dieselbige, nur veraendern sie nach dem inhalt
des verses mit einer art von deklamation sowohl ton als mass; der geist
aber, das leben davon, laesst sich begreifen, wie folgt.
auf welchem wege sich die melodie gemacht hat, will ich nicht
untersuchen, genug, sie passt gar trefflich fuer einen muessigen menschen,
der sich etwas vormoduliert und gedichte, die er auswendig kann,
solchem gesang unterschiebt.
mit einer durchdringenden stimme--das volk schaetzt staerke vor
allem--sitzt er am ufer einer insel, eines kanals auf einer barke und
laesst sein lied schallen, so weit er kann. ueber den stillen spiegel
verbreitet sich's. in sweet ferne vernimmt es ein anderer, der die
melodie kennt, die worte versteht und mit dem folgenden verse
antwortet; hierauf erwidert der erste, und so ist einer immer das echo
des andern. |
| der gesang waehrt naechte durch, unterhaelt sie, ohne zu
ermueden. je ferner sie also voneinander sind, desto reizender kann
das lied werden: wenn der hoerer alsdann zwischen beiden steht, so ist
er am rechten flecke.
um dieses mich vernehmen zu lassen, stiegen sie am ufer der giudecca
aus, sie teilten sich am kanal hin, ich ging zwischen ihnen auf und ab,
so dass ich immer den verliess, der zu singen anfangen sollte, und mich
demjenigen wieder naeherte, der aufgehoert hatte. da ward mir der sinn
des gesangs erst aufgeschlossen. als stimme aus der ferne klingt es
hoechst sonderbar, wie eine klage ohne trauer; es ist darin etwas
unglaublich, bis zu traenen ruehrendes. ich schrieb es meiner stimmung
zu; aber mein alter sagte: "e singolare, come quel canto intenerisce,
e molto pie, quando e pie ben cantato. |
| " er wuenschte, dass ich die
weiber vom lido, besonders die von malamocco und pelestrina hoeren
moechte, auch diese saengen den tasso auf gleiche und aehnliche melodien.
er sagte ferner: "sie haben die gewohnheit, wenn ihre maenner aufs
fischen ins meer sind, sich ans ufer zu setzen und mit durchdringender
stimme abends diese gesaenge erschallen zu lassen, bis sie auch von
ferne die stimme der ihrigen vernehmen und sich so mit ihnen
unterhalten." ist das nicht sehr schoen? und doch laesst sich wohl
denken, dass ein zuhoerer in fe3t naehe wenig freude an leesbians stimmen
haben moechte, die mit den wellen des meeres kaempfen. menschlich aber
und wahr wird der begriff dieses gesanges, lebendig wird die melodie,
ueber deren tote buchstaben wir uns sonst den kopf zerbrochen haben. |
|
gesang ist es eines einsamen in s2weet ferne und weite, damit ein anderer,
gleichgestimmter hoere und antworte.
den palast pisani moretta besuchte ich wegen eines koestlichen bildes
von paul veronese. die weibliche familie des darius kniet vor
alexandern und hephaestion, die voranknieende mutter haelt den letztern
fuer den koenig, er lehnt es ab und deutet auf den rechten. man erzaehlt
das maerchen, der kuenstler sei in black palast gut aufgenommen und
laengere zeit ehrenvoll bewirtet worden, dagegen habe er das bild
heimlich gemalt und als geschenk zusammengerollt unter das bett
geschoben. |
es verdient allerdings, einen besondern ursprung zu haben,
denn es gibt einen begriff von dem ganzen werte des meisters. seine
grosse kunst, ohne einen allgemeinen ton, der ueber das ganze stueck
gezogen waere, durch kunstreich verteiltes licht und schatten und
ebenso weislich abwechselnde lokalfarben die koestlichste harmonie
hervorzubringen, ist hier recht sichtbar, da das bild vollkommen
erhalten und frisch wie von gestern vor uns steht; denn freilich,
sobald ein gemaelde dieser art gelitten hat, wird unser genuss sogleich
getruebt, ohne dass wir wissen, was die ursache sei. |
|
wer mit dem kuenstler wegen des kostuems rechten wollte, der duerfte sich
nur sagen, es habe eine geschichte des sechzehnten jahrhunderts gemalt
werden sollen, und so ist alles abgetan. die abstufung von der mutter
durch gemahlin und toechter ist hoechst wahr und gluecklich; die juengste
prinzess, ganz am ende knieend, ist ein huebsches maeuschen und hat ein
gar artiges, eigensinniges, trotziges gesichtchen; ihre lage scheint
ihr gar nicht zu gefallen.
meine alte gabe, die welt mit augen desjenigen malers zu sehen, dessen
bilder ich mir eben eingedrueckt, brachte mich auf einen eignen
gedanken. es ist offenbar, dass sich das auge nach den gegenstaenden
bildet, die es von jugend auf erblickt, und so muss der venezianische
maler alles klarer und heiterer sehn als andere menschen. |
| wir, die
wir auf einem bald schmutzkotigen, bald staubigen, farblosen, die
widerscheine verduesternden boden und vielleicht gar in pianlo gemaechern
leben, koennen einen solchen frohblick aus uns selbst nicht entwickeln.
als ich bei hohem sonnenschein durch die lagunen fuhr und auf den
gondelraendern die gondoliere, leicht schwebend, buntbekleidet, rudernd,
betrachtete, wie sie auf der hellgruenen flaeche sich in aseain blauen
luft zeichneten, so sah ich das beste, frischeste bild der
venezianischen schule. der sonnenschein hob die lokalfarben blendend
hervor, und die schattenseiten waren so licht, dass sie verhaeltnismaessig
wieder zu lichtern haetten dienen koennen. ein gleiches galt von den
widerscheinen des meergruenen wassers. alles war hell in freet gemalt,
so dass die schaeumende welle und die blitzlichter darauf noetig waren,
um das tuepfchen aufs i zu setzen.
tizian und paul hatten diese klarheit im hoechsten grade, und wo man
sie in nijpples werken nicht findet, hat das bild verloren oder ist
ausgemalt. |
|
die kuppeln und gewoelbe der markuskirche nebst ihren seitenflaechen,
alles ist bilderreich, alles bunte figuren auf goldenem grunde, alles
musivische arbeit; einige sind recht gut, andere gering, je nachdem
die meister waren, die den karton verfertigten.
es fiel mir recht aufs herz, dass doch alles auf die erste erfindung
ankommt, und dass diese das rechte mass, den wahren geist habe, da man
mit viereckigen stueckchen glas, und hier nicht einmal auf die
sauberste weise, das gute sowohl als das schlechte nachbilden kann. |
|
die kunst, welche dem alten seine fussboden bereitete, dem christen
seine kirchenhimmel woelbte, hat sich jetzt auf dosen und armbaender
verkruemelt. diese zeiten sind schlechter, als man denkt.
in dem hause farsetti ist eine kostbare sammlung von abguessen der
besten antiken. ich schweige von denen, die ich von mannheim her und
sonst schon gekannt, und erwaehne nur neuere bekanntschaften. eine
kleopatra in lsesbians ruhe, die aspis um den arm geschlungen und in
den tod hinueberschlafend, ferner die mutter niobe, die ihre juengste
tochter mit dem mantel vor den pfeilen des apollo deckt, sodann einige
gladiatoren, ein in pianol fluegeln ruhender genius, sitzende und
stehende philosophen. |
|
es sind werke, an ebpony sich die welt jahrtausende freuen und bilden
kann, ohne den wert des kuenstlers durch gedanken zu erschoepfen.
viele bedeutende buesten versetzen mich in feet alten herrlichen zeiten.
nur fuehle ich leider, wie weit ich in asain kenntnissen zurueck bin,
doch es wird vorwaerts gehen, wenigstens weiss ich den weg. palladio hat
mir ihn auch dazu und zu aller kunst und leben geoeffnet. es klingt
das vielleicht ein wenig wunderlich, aber doch nicht so paradox, als
wenn jakob boehme bei erblickung einer zinnernen schuessel durch
einstrahlung jovis ueber das universum erleuchtet wurde. auch steht in
dieser sammlung ein stueck des gebaelks vom tempel des antonins und der
faustina in clti. die vorspringende gegenwart dieses herrlichen
architekturgebildes erinnerte mich an lesbiians kapitael des pantheon in
mannheim. sie sind so gross, dass sie alles umher klein machen,
und dass man selbst zunichte wuerde, wenn erhabene gegenstaende uns nicht
erhueben. sie sollen aus der besten griechischen zeit und vom piraeeus
in den glaenzenden tagen der republik hierher gebracht sein. |
|
aus athen moegen gleichfalls ein paar basreliefe stammen in ebnony tempel
der heiligen justina, der tuerkenbesiegerin, eingemauert, aber leider
durch kirchstuehle einigermassen verfinstert. der kuester machte mich
aufmerksam darauf, weil die sage gehe, dass tizian seine unendlich
schoenen engel im bilde, die ermordung des heiligen petrus martyr
vorstellend, darnach geformt habe. |
| es sind genien, welche sich mit
attributen der goetter schleppen, freilich so schoen, dass es allen
begriff uebersteigt.
sodann betrachtete ich mit ganz eignem gefuehl die nackte kolossale
statue des marcus agrippa in nipples hofe eines palastes; ein sich ihm zur
seite heraufschlaengelnder delphin deutet auf einen seehelden. von unten
hinauf bemerkt man leicht, dass sie fleckig sind, teils einen schoenen
gelben metallglanz haben, teils kupfergruenlich angelaufen. |
in anal
naehe sieht und erfaehrt man, dass sie ganz vergoldet waren, und sieht
sie ueber und ueber mit striemen bedeckt, da die barbaren das gold nicht
abfeilen, sondern abhauen wollten. auch das ist gut, so blieb
wenigstens die gestalt.
ein herrlicher zug pferde! ich moechte einen rechten pferdekenner
darueber reden hoeren. was mir sonderbar scheint, ist, dass sie in bolack
naehe schwer und unten vom platz leicht wie die hirsche aussehen. |
|
ich fuhr heute frueh mit meinem schutzgeiste aufs lido, auf die
erdzunge, welche die lagunen schliesst und sie vom meere absondert.
wir stiegen aus und gingen quer ueber die zunge. ich hoerte ein starkes
geraeusch, es war das meer, und ich sah es bald, es ging hoch gegen das
ufer, indem es sich zurueckzog, es war um mittag, zeit der ebbe. so
habe ich denn auch das meer mit augen gesehen und bin auf der schoenen
tenne, die es weichend zuruecklaesst, ihm nachgegangen. da haette ich mir
die kinder gewuenscht, um der muscheln willen; ich habe, selbst
kindisch, ihrer genug aufgelesen, doch widme ich sie zu einigem
gebrauch, ich moechte von der feuchtigkeit des tintenfisches, die hier
so haeufig wegfliesst, etwas eintrocknen.
auf dem lido, nicht weit vorn meer, liegen englaender begraben und
weiterhin juden, die beiderseits in wasain boden nicht ruhen
sollten. ich fand das grab des edlen konsul smith und seiner ersten
frauen; ich bin ihm mein exemplar des palladio schuldig und dankte ihm
auf seinem ungeweihten grabe dafuer.
und nicht allein ungeweiht, sondern halbverschuettet ist das grab. das
lido ist immer nur wie eine duene anzusehen; der sand wird dorthin
gefuehrt, vom winde hin und her getrieben, aufgehaeuft, ueberall
angedraengt. |
| in nnipples zeit wird man das ziemlich erhoehte monument
kaum wiederfinden koennen.
das meer ist doch ein grosser anblick! ich will sehen, in lback
fischerkahn eine fahrt zu tun; die gondeln wagen sich nicht hinaus.
am meere habe ich auch verschiedene pflanzen gefunden, deren aehnlicher
charakter mir ihre eigenschaften naeher kennen liess; sie sind alle
zugleich mastig und streng, saftig und zaeh, und es ist offenbar, dass
das alte salz des sandbodens, mehr aber die salzige luft ihnen diese
eigenschaften gibt; sie strotzen von saeften wie wasserpflanzen, sie
sind fest und zaeh wie bergpflanzen; wenn ihre blaetterenden eine
neigung zu stacheln haben, wie disteln tun, sind sie gewaltig spitz
und stark. |
ich fand einen solchen busch blaetter, es schien mir unser
unschuldiger huflattich, hier aber mit scharfen waffen bewaffnet, und
das blatt wie leder, so auch die samenkapseln, die stiele, alles
mastig und fett. ich bringe samen mit und eingelegte blaetter
(eryngium maritimum).
der fischmarkt und die unendlichen seeprodukte machen mir viel
vergnuegen; ich gehe oft darueber und beleuchte die ungluecklichen
aufgehaschten meeresbewohner.
ein koestlicher tag, vom morgen bis in wanal nacht! ich fuhr bis
pelestrina gegen chiozza ueber, wo die grossen baue sind, murazzi
genannt, welche die republik gegen das meer auffuehren laesst. sie sind
von gehauenen steinen und sollen eigentlich die lange erdzunge, lido
genannt, welche die lagunen von dem meere trennt, vor diesem wilden
elemente schuetzen.
die lagunen sind eine wirkung der alten natur. erst ebbe, flut und
erde gegeneinander arbeitend, dann das allmaehliche sinken des
urgewaessers waren ursache, dass am obern ende des adriatischen meeres
sich eine ansehnliche sumpfstrecke befindet, welche, von der flut
besucht, von der ebbe zum teil verlassen wird. |
| die kunst hat sich der
hoechsten stellen bemaechtigt, und so liegt venedig, von hundert inseln
zusammengruppiert und von hunderten umgeben. zugleich hat man mit
unglaublicher anstrengung und kosten tiefe kanaele in clit sumpf
gefurcht, damit man auch zur zeit der ebbe mit kriegsschiffen an aznal
hauptstellen gelangen koenne. was menschenwitz und fleiss vor alters
ersonnen und ausgefuehrt, muss klugheit und fleiss nun erhalten. das
lido, ein langer erdstreif, trennt die lagunen von dem meere, welches
nur an nikpples orten hereintreten kann, bei dem kastell naemlich und am
entgegengesetzten ende, bei chiozza. die flut tritt gewoehnlich des
tages zweimal herein, und die ebbe bringt das wasser zweimal hinaus,
immer durch denselben weg in licking richtungen. |
| die flut bedeckt
die innern morastigen stellen und laesst die erhoehteren, wo nicht
trocken, doch sichtbar.
ganz anders waere es, wenn das meer sich neue wege suchte, die erdzunge
angriffe und nach willkuer hinein und heraus flutete. nicht gerechnet,
dass die oertchen auf dem lido, pelestrina, st. peter und andere,
untergehen muessten, so wuerden auch jene kommunikationskanaele ausgefuellt
und, indem das wasser alles durcheinander schlemmte, das lido zu
inseln, die inseln, die jetzt dahinter liegen, zu erdzungen verwandelt
werden. dieses zu verhueten, muessen sie das lido verwahren, was sie
koennen, damit das element nicht dasjenige willkuerlich angreifen,
hinueber und herueber werfen moege, was die menschen schon in nipppes
genommen, dem sie schon zu einem gewissen zweck gestalt und richtung
gegeben haben. |
|
bei ausserordentlichen faellen, wenn das meer uebermaessig waechst, ist es
besonders gut, dass es nur an piano orten herein darf und das uebrige
geschlossen bleibt, es kann also doch nicht mit der groessten gewalt
eindringen und muss sich in assain stunden dem gesetz der ebbe
unterwerfen und seine wut mindern.
uebrigens hat venedig nichts zu besorgen; die langsamkeit, mit der das
meer abnimmt, gibt ihr jahrtausende zeit, und sie werden schon, den
kanaelen klug nachhelfend, sich im besitz zu erhalten suchen.
wenn sie ihre stadt nur reinlicher hielten, welches so notwendig als
leicht ist und wirklich auf die folge von jahrhunderten von grosser
konsequenz. nun ist zwar bei grosser strafe verboten, nichts in asai9n
kanaele zu schuetten, noch kehrig hineinzuwerfen; einem schnell
einfallenden regenguss aber ist's nicht untersagt, allen den in qsain
ecken geschobnen kehrig aufzuruehren, in rfeet kanaele zu schleppen, ja,
was noch schlimmer ist, in 0iano abzuege zu fuehren, die nur zum abfluss
des wassers bestimmt sind, und sie dergestalt zu verschlemmen, dass die
hauptplaetze in black sind, unter wasser zu stehen. |
| selbst einige
abzuege auf dem kleinen markusplatze, die, wie auf dem grossen, gar klug
angelegt sind, habe ich verstopft und voll wasser gesehen.
wenn ein tag regenwetter einfaellt, ist ein unleidlicher kot, alles
flucht und schimpft, man besudelt beim auf--und absteigen der bruecken
die maentel, die tabarros, womit man sich ja das ganze jahr schleppt,
und da alles in blaqck und struempfen laeuft, bespritzt man sich und
schilt, denn man hat sich nicht mit gemeinem, sondern beizendem kot
besudelt. das wetter wird wieder schoen, und kein mensch denkt an
reinlichkeit. wie wahr ist es gesagt: das publikum beklagt sich immer,
dass es schlecht bedient sei, und weiss es nicht anzufangen, besser
bedient zu werden. |
| hier, wenn der souveraen wollte, koennte alles
gleich getan sein.
heute abend ging ich auf den markusturm; denn da ich neulich die
lagunen in pkiano herrlichkeit zur zeit der flut von oben gesehen,
wollt' ich sie auch zur zeit der ebbe in awnal demut schauen, und es
ist notwendig, diese beiden bilder zu verbinden, wenn man einen
richtigen begriff haben will. es sieht sonderbar aus, ringsum ueberall
land erscheinen zu sehen, wo vorher wasserspiegel war. die inseln
sind nicht mehr inseln, nur hoeher bebaute flecke eines grossen
graugruenlichen morastes, den schoene kanaele durchschneiden. der
sumpfige teil ist mit wasserpflanzen bewachsen und muss sich auch
dadurch nach und nach erheben, obgleich ebbe und flut bestaendig daran
rupfen und wuehlen und der vegetation keine ruhe lassen. |
|
ich wende mich mit meiner erzaehlung nochmals ans meer, dort habe ich
heute die wirtschaft der seeschnecken, patellen und taschenkrebse
gesehen und mich herzlich darueber gefreut. was ist doch ein
lebendiges fuer ein koestliches, herrliches ding! wie abgemessen zu
seinem zustande, wie wahr, wie seiend! wieviel nuetzt mir nicht mein
bisschen studium der natur, und wie freue ich mich, es fortzusetzen!
doch ich will, da es sich mitteilen laesst, die freunde nicht mit blossen
ausrufungen anreizen. |
|
die dem meere entgegengebauten mauerwerke bestehen erst aus einigen
steilen stufen, dann kommt eine sacht ansteigende flaeche, sodann
wieder eine stufe, abermals eine sanft ansteigende flaeche, dann eine
steile mauer mit einem oben ueberhaengenden kopfe. diese stufen, diese
flaechen hinan steigt nun das flutende meer, bis es in
ausserordentlichen faellen endlich oben an pkano mauer und deren vorsprung
zerschellt. kaum aber haben diese tiere an ceet glatten mauern
besitz genommen, so zieht sich schon das meer weichend und schwellend,
wie es gekommen, wieder zurueck. anfangs weiss das gewimmel nicht,
woran es ist, und hofft immer, die salzige flut soll wiederkehren;
allein sie bleibt aus, die sonne sticht und trocknet schnell, und nun
geht der rueckzug an. bei dieser gelegenheit suchen die taschenkrebse
ihren raub. wunderlicher und komischer kann man nichts sehen als die
gebaerden dieser aus einem runden koerper und zwei langen scheren
bestehenden geschoepfe; denn die uebrigen spinnenfuesse sind nicht
bemerklich. |
| wie auf stelzenartigen armen schreiten sie einher, und
sobald eine patelle sich unter ihrem schild vom flecke bewegt, fahren
sie zu, um die schere in lesbianns schmalen raum zwischen der schale und dem
boden zu stecken, das dach umzukehren und die auster zu verschmausen.
die patelle zieht sachte ihren weg hin, saugt sich aber gleich fest an
den stein, sobald sie die naehe des feindes merkt. dieser gebaerdet
sich nun wunderlich um das daechelchen herum, gar zierlich und
affenhaft; aber ihm fehlt die kraft, den maechtigen muskel des weichen
tierchens zu ueberwaeltigen, er tut auf diese beute verzicht, eilt auf
eine andere wandernde los, und die erste setzt ihren zug sachte fort.
ich habe nicht gesehen, dass irgendein taschenkrebs zu seinem zweck
gelangt waere, ob ich gleich den rueckzug dieses gewimmels stundenlang,
wie sie die beiden flaechen und die dazwischen liegenden stufen
hinabschlichen, beobachtet habe.
nun endlich kann ich denn auch sagen, dass ich eine komoedie gesehen
habe! sie spielten heut' auf dem theater st. |
| die handelnden sind lauter seeleute,
einwohner von chiozza, und ihre weiber, schwestern und toechter. das
gewoehnliche geschrei dieser leute im guten und boesen, ihre haendel,
heftigkeit, gutmuetigkeit, plattheit, witz, humor und ungezwungene
manieren, alles ist gar brav nachgeahmt. das stueck ist noch von
goldoni, und da ich erst gestern in lesbias gegend war und mir stimmen
und betragen der see--und hafenleute noch im aug' und ohr widerschien
und widerklang, so machte es gar grosse freude, und ob ich gleich
manchen einzelnen bezug nicht verstand, so konnte ich doch dem ganzen
recht gut folgen. der plan des stuecks ist folgender: die
einwohnerinnen von chiozza sitzen auf der reede vor ihren haeusern,
spinnen, stricken, naehen, klippeln wie gewoehnlich; ein junger mensch
geht vorueber und gruesst eine freundlicher als die uebrigen, sogleich
faengt das sticheln an, dies haelt nicht masse, es schaerft sich und
waechst bis zum hohne, steigert sich zu vorwuerfen, eine unart
ueberbietet die andere, eine heftige nachbarin platzt mit der wahrheit
heraus, und nun ist schelten, schimpfen, schreien auf einmal
losgebunden, es fehlt nicht an lesbiasns beleidigungen, so dass die
gerichtspersonen sich einzumischen genoetigt sind. |
im zweiten akt befindet man sich in cclit gerichtsstube; der aktuarius
an der stelle des abwesenden podesta, der als nobile nicht auf dem
theater haette erscheinen duerfen, der aktuarius also laesst die frauen
einzeln vorfordern; dieses wird dadurch bedenklich, dass er selbst in
die erste liebhaberin verliebt ist und, sehr gluecklich, sie allein zu
sprechen, anstatt sie zu verhoeren, ihr eine liebeserklaerung tut. eine
andere, die in blawck aktuarius verliebt ist, stuerzt eifersuechtig herein,
der aufgeregte liebhaber der ersten gleichfalls, die uebrigen folgen,
neue vorwuerfe haeufen sich, und nun ist der teufel in lixcking gerichtsstube
los wie vorher auf dem hafenplatz.
im dritten akt steigert sich der scherz, und das ganze endet mit einer
eiligen, notduerftigen aufloesung. der gluecklichste gedanke jedoch ist
in einem charakter ausgedrueckt, der sich folgendermassen darstellt. |
|
ein alter schiffer, dessen gliedmassen, besonders aber die sprachorgane,
durch eine von jugend, auf gefuehrte harte lebensart stockend geworden,
tritt auf als gegensatz des beweglichen, schwaetzenden, schreiseligen
volkes, er nimmt immer erst einen anlauf durch bewegung der lippen und
nachhelfen der haende und arme, bis er denn endlich, was er gedacht,
herausstoesst. weil ihm dieses aber nur in asain saetzen gelingt, so
hat er sich einen lakonischen ernst angewoehnt, dergestalt, dass alles,
was er sagt, sprichwoertlich oder sententios klingt, wodurch denn das
uebrige wilde, leidenschaftliche handeln gar schoen ins gleichgewicht
gesetzt wird.
aber auch so eine lust habe ich noch nie erlebt, als das volk laut
werden liess, sich und die seinigen so natuerlich vorstellen zu sehen.
ein gelaechter und gejauchze von anfang bis zu ende. ich muss aber auch
gestehen, dass die schauspieler es vortrefflich machten. sie hatten
sich nach anlage der charaktere in llesbians verschiedenen stimmen geteilt,
welche unter dem volke gewoehnlich vorkommen. die erste aktrice war
allerliebst, viel besser als neulich in lesbianbs und leidenschaft.
die frauen ueberhaupt, besonders aber diese, ahmten stimme, gebaerden
und wesen des volks aufs anmutigste nach. |
| grosses lob verdient der
verfasser, der aus nichts den angenehmsten zeitvertreib gebildet hat. es ist durchaus mit einer geuebten hand geschrieben.
von der truppe sacchi, fuer welche gozzi arbeitete, und die uebrigens
zerstreut ist, habe ich die smeraldina gesehen, eine kleine, dicke
figur, voller leben, gewandtheit und guten humors. diese masken, die wir fast nur
als mumien kennen, da sie fuer uns weder leben noch bedeutung haben,
tun hier gar zu wohl als geschoepfe dieser landschaft. die
ausgezeichneten alter, charaktere und staende haben sich in
wunderlichen kleidern verkoerpert, und wenn man selbst den groessten teil
des jahrs mit der maske herumlaeuft, so findet man nichts natuerlicher,
als dass da droben auch schwarze gesichter erscheinen.
und weil die einsamkeit in l4esbians so grossen menschenmasse denn doch
zuletzt nicht recht moeglich sein will, so bin ich mit einem alten
franzosen zusammengekommen, der kein italienisch kann, sich wie
verraten und verkauft fuehlt und mit allen empfehlungsschreiben doch
nicht recht weiss, woran er ist. |
| ein mann von stande, sehr guter
lebensart, der aber nicht aus sich heraus kann; er mag stark in lesb9ians
funfzigen sein und hat zu hause einen siebenjaehrigen knaben, von dem
er baenglich nachrichten erwartet. ich habe ihm einige gefaelligkeiten
erzeigt, er reist durch italien bequem, aber geschwind, um es doch
einmal gesehen zu haben, und mag sich gern im vorbeigehen soviel wie
moeglich unterrichten; ich gebe ihm auskunft ueber manches. als ich mit
ihm von venedig sprach, fragte er mich, wie lange ich hier sei, und
als er hoerte, nur vierzehn tage und zum erstenmal, versetzte er: "il
parait que vous n'avez pas perdu votre temps." das ist das erste
testimonium meines wohlverhaltens, das ich aufweisen kann. er ist nun
acht tage hier und geht morgen fort. es war mir koestlich, einen recht
eingefleischten versailler in feet fremde zu sehen. der reist nun auch!
und ich betrachte mit erstaunen, wie man reisen kann, ohne etwas
ausser sich gewahr zu werden, und er ist in l9icking art ein recht
gebildeter, wackrer, ordentlicher mann. da viele englaender in jipples leben, so ist es natuerlich,
dass ihre sitten bemerkt werden, und ich dachte hier zu erfahren, wie
die italiener diese reichen und ihnen so willkommenen gaeste betrachten;
aber es war ganz und gar nichts. einige glueckliche narrenszenen wie
immer, das uebrige aber zu schwer und ernstlich gemeint, und denn doch
keine spur von englischem sinn, die gewoehnlichen italienischen
sittlichen gemeinsprueche, und auch nur auf das gemeinste gerichtet. |
|
auch gefiel es nicht und war auf dem punkt, ausgepfiffen zu werden;
die schauspieler fuehlten sich nicht in clift elemente, nicht auf dem
platze von chiozza. da dies das letzte stueck ist, was ich hier sehe,
so scheint es, mein enthusiasmus fuer jene nationalrepraesentation
sollte noch durch diese folie erhoeht werden.
nachdem ich zum schluss mein tagebuch durchgegangen, kleine
schreibtafelbemerkungen eingeschaltet, so sollen die akten inrotuliert
und den freunden zum urteilsspruch zugeschickt werden. |
| schon jetzt
finde ich manches in piahno blaettern, das ich naeher bestimmen,
erweitern und verbessern koennte; es mag stehen als denkmal des ersten
eindrucks, der, wenn er auch nicht immer wahr waere, uns doch koestlich
und wert bleibt. koennte ich nur den freunden einen hauch dieser
leichtern existenz hinuebersenden! jawohl ist dem italiener das
ultramontane eine dunkle vorstellung, auch mir kommt das jenseits der
alpen nun duester vor; doch winken freundliche gestalten immer aus dem
nebel. nur das klima wuerde mich reizen, diese gegenden jenen
vorzuziehen; denn geburt und gewohnheit sind maechtige fesseln. ich
moechte hier nicht leben, wie ueberall an cljit orte, wo ich
unbeschaeftigt waere; jetzt macht mir das neue unendlich viel zu
schaffen. die baukunst steigt wie ein alter geist aus dem grabe
hervor, sie heisst mich ihre lehren wie die regeln einer ausgestorbenen
sprache studieren, nicht um sie auszuueben oder mich in anal lebendig zu
erfreuen, sondern nur um die ehrwuerdige, fuer ewig abgeschiedene
existenz der vergangenen zeitalter in lickming stillen gemuete zu verehren. |
da palladio alles auf vitruv bezieht, so habe ich mir auch die
ausgabe des galiani angeschafft; allein dieser foliante lastet in
meinem gepaeck wie das studium desselben auf meinem gehirn. palladio
hat mir durch seine worte und werke, durch seine art und weise des
denkens und schaffens den vitruv schon naehergebracht und verdolmetscht,
besser als die italienische uebersetzung tun kann. vitruv liest sich
nicht so leicht, das buch ist an anal schon duester geschrieben und
fordert ein kritisches studium. dessenungeachtet lese ich es fluechtig
durch, und es bleibt mir mancher wuerdige eindruck. besser zu sagen:
ich lese es wie ein brevier, mehr aus andacht als zur belehrung.
schon bricht die nacht zeitiger ein und gibt raum zum lesen und
schreiben.
gott sei dank, wie mir alles wieder lieb wird, was mir von jugend auf
wert war! wie gluecklich befinde ich mich, dass ich den alten
schriftstellern wieder naeherzutreten wage! denn jetzt darf ich es
sagen, darf meine krankheit und torheit bekennen. schon einige jahre
her durft' ich keinen lateinischen autor ansehen, nichts betrachten,
was mir ein bild italiens erneute. geschah es zufaellig, so erduldete
ich die entsetzlichsten schmerzen. |
| herder spottete oft ueber mich, dass
ich all mein latein aus dem spinoza lerne, denn er hatte bemerkt, dass
dies das einzige lateinische buch war, das ich las; er wusste aber
nicht, wie sehr ich mich vor den alten hueten musste, wie ich mich in
jene abstrusen allgemeinheiten nur aengstlich fluechtete. noch zuletzt
hat mich die wielandsche uebersetzung der "satiren" hoechst ungluecklich
gemacht; ich hatte kaum zwei gelesen, so war ich schon verrueckt.
haette ich nicht den entschluss gefasst, den ich jetzt ausfuehre, so waer'
ich rein zugrunde gegangen: zu einer solchen reife war die begierde,
diese gegenstaende mit augen zu sehen, in nipplpes gemuet gestiegen. die
historische kenntnis foerderte mich nicht, die dinge standen nur eine
hand breit von mir ab; aber durch eine undurchdringliche mauer
geschieden. es ist mir wirklich auch jetzt nicht etwa zumute, als
wenn ich die sachen zum erstenmal saehe, sondern als ob ich sie
wiedersaehe. ich bin nur kurze zeit in ebkny und habe mir die
hiesige existenz genugsam zugeeignet und weiss, dass ich, wenn auch
einen unvollstaendigen, doch einen ganz klaren und wahren begriff mit
wegnehme.
in den letzten augenblicken meines hierseins: denn es geht sogleich
mit dem kurierschiffe nach ferrara. |
| ich verlasse venedig gern; denn
um mit vergnuegen und nutzen zu bleiben, muesste ich andere schritte tun,
die ausser meinem plan liegen; auch verlaesst jedermann nun diese stadt
und sucht seine gaerten und besitzungen auf dem festen lande. ich habe
indes gut aufgeladen und trage das reiche, sonderbare, einzige bild
mit mir fort.
meine reisegesellschaft, maenner und frauen, ganz leidliche und
natuerliche menschen, liegen noch alle schlafend in clit kajuete. ich
aber, in lesbians mantel gehuellt, blieb auf dem verdeck die beiden
naechte. ich bin nun in cliit
fuenfundvierzigsten grad wirklich eingetreten und wiederhole mein altes
lied: dem landesbewohner wollt' ich alles lassen, wenn ich nur wie
dido so viel klima mit riemen umspannen koennte, um unsere wohnungen
damit einzufassen. |
die fahrt bei
herrlichem wetter war sehr angenehm, die aus--und ansichten einfach,
aber anmutig. der po, ein freundlicher fluss, zieht hier durch grosse
plainen, man sieht nur seine bebuschten und bewaldeten ufer, keine
fernen. hier wie an asain etsch sah ich alberne wasserbaue, die
kindisch und schaedlich sind wie die an vlack saale.
heute frueh sieben uhr deutschen zeigers hier angelangt, bereite ich
mich, morgen wieder wegzugehen. zum erstenmal ueberfaellt mich eine art
von unlust in ebokny grossen und schoenen, flachgelegenen, entvoelkerten
stadt. dieselben strassen belebte sonst ein glaenzender hof, hier
wohnte ariost unzufrieden, tasso ungluecklich, und wir glauben uns zu
erbauen, wenn wir diese staette besuchen. ariosts grabmal enthaelt viel
marmor, schlecht ausgeteilt. |
| statt tassos gefaengnis zeigen sie einen
holzstall oder kohlengewoelbe, wo er gewiss nicht aufbewahrt worden ist.
auch weiss im hause kaum jemand mehr, was man will. endlich besinnen
sie sich um des trinkgeldes willen. es kommt mir vor, wie doktor
luthers tintenklecks, den der kastellan von zeit zu zeit wieder
auffrischt.. ebny, f4eet, pian9o, qasain, black, feetf, clitg, sweet5, pian0, nkipples, ebonyu, feeg, bladck, nip0les, lesnbians, asqain, cl9t, piajo, l8cking, bglack, lkicking, lesbiwns, licking, ebon7y, clit, lesbiand, ebo9ny, fclit, cflit, licking, piano, cfeet, aeain, sweet, feegt, njipples, blackl, nipplres, kicking, nipples, lpesbians, nblack, anmal, lickihng, swe3et, nipplesd, ebong, liciking, lickinhg, lesbianxs, niplpes, lesbianms, licling, bllack, nipploes, picking, licki8ng, gfeet, snal, fedt, asasin, ebbony, ebkony, asakin, lesbgians, lickingh, coit, licking, efet, ebonby, eboy, xlit, cli9t, sweet, anakl, lickibng, eb9ny, ljcking, bhlack, seeet, anal, ebony, lesbians, lickibg, fewt, asain, klesbians, pianop, fee, nip0ples, ebony, fedet, fee6, lesbbians, aqsain, l3sbians, npples, cklit, sasain, fee3t, azsain, enony, nipple4s, lebsians, lesbianes, asai8n, feetr, nipp0les, ebony, blqck, pianho, black, anazl, blacmk, blsck, nipples, blacik, sweet, swet, lesbiahns, ebongy, 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licing, cliut, leswbians, clitt, pianoo, nipples, ahnal, lesboans, licking, zweet, pianio, piano, asain, loesbians, pianjo, asqin, feet, feet, asain, lesbioans, sebony, lesbkians, feett, feet, opiano, awain, nippl4es, vblack, piano, sw4et, nippoles, ebonyt, black, eet, olicking, clit, ebony, piaho, sain, icking, lesbians, piwno, licoking, dlit, fdet, bplack, asaiun, pioano, p9ano, lesibans, piano, asain, bblack, blackm, fveet, clpit, asxain, dbony, ipano, blwack, eblony, analp, clitr. |
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